Sa., 05. 07. 2008
20.30 Uhr
ERÖFFNUNGSVERANSTALTUNG zum CSD Leipzig 2008
Wir sind Familie! - Egy család vagyunk! - We are family!
Das Motto des gesamten Leipziger CSD 2008 ist auch Thema der Eröffnungsveranstaltung
mit KATRIN KREMMLER, Budapest-Berlin
Die engagierte Autorin und Regisseurin ungarisch-deutscher Herkunft wird an diesem Abend Auskunft geben zu den verschiedensten Bereichen lesbisch-schwulen Lebens in Ungarn - und dies auf vielfältigste Weise:
FILM
"Bandage, socks and Facial Hair" - 35 min., Doku, 2006/7, OmU
Dies ist der neueste Film des Budapester Lesbenfilmkollektivs über den ersten Drag King Workshop in Budapest 2006. Der interessante Film (mit englischen Untertiteln) lief bereits auf mehreren Filmfestivals. Seit 2007 ist ein neuer Film im Entstehen, an dem die Filmemacherin und Autorin Katrin Kremmler ebenfalls mitwirkt. Das Gesamtwerk des Filmkollektivs wurde übrigens 2007 ins ungarische Filmarchiv aufgenommen - als erste offizielle Anerkennung grosse Sache!
FOTOAUSSTELLUNG
Die Fotografin Evi Fabian, http://www.fabianevi.hu/ stellt Teile ihrer Portrait-Serien von Lesben und Schwulen vor. Für ihren Fotoband mit Portraits auch lesbischer Frauen (2007) erhielt sie die Anerkennung des ungarischen Kultusministeriums.
MATERIALIEN
2007 gründete sich das Lesbenmagazin "Dyke Magazine", Lifestyle Hochglanz. Leider ist es nach zwei Nummern wieder eingegangen - aber zum Ansehen werden sie da sein. Und natürlich gibt es Materialien des LABRISZ.hu, Flyer mit allen wichtigen Links und E-mail Adressen und von dem lesbischen Filmfestival LIFT 2007 - damit das Publikum alles hat, um einmal hinfahren zu können oder bei Interesse weitere Kontakten zu finden.
Kooperationsveranstaltung des RGL des StuRa der Uni Leipzig und des Frauenkultur e.V. Leipzig
mit dem
im Anschluss:
Die queere CSD-ERÖFFNUNGSPARTY mit DJane CLAUDIA K.
Die., 08. 07. 2008
19.00 Uhr
VORTRAG UND DISKUSSION
Vom 'feministischen Schreckgespenst' zur Ikone 'deutscher Leitkultur'?
'Fatale Effekte' der Islamismuskritik Alice Schwarzers und der Zeitschrift EMMA
mit DANIELA MARX, Göttingen
Lange Zeit galt Alice Schwarzer aufgrund ihres provokanten Auftretens, ihrer oft anklagenden, patriarchatskritischen Positionen in den Mainstream-Medien als 'feministisches Schreckgespenst'. Die Zeiten haben sich jedoch gewandelt: Alice Schwarzer, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, ausgezeichnet mit einem 'Bambi' und 'Ritter' der französischen Ehrenlegion, ist inzwischen ein gern gesehener Gast in den ehemals von ihr so gehassten 'Männermedien'. Insbesondere, wenn es um muslimische Frauen geht, um Kopftücher, Zwangsehen, Ehrenmorde, ist ihre Meinung inzwischen für Interviews, auf Tagungen und Podiumsdiskussionen gefragt.
Wie ist dieser Aufstieg zu verstehen? Warum sind es hauptsächlich konservative und populistische Zeitungen, die Alice Schwarzer breiten Raum bieten? Und vor allem: Welche Rolle spielt die vehemente Islamismuskritik Alice Schwarzers und der von ihr geleiteten Zeitschrift EMMA?
DANIELA MARX zeigt am Beispiel von Alice Schwarzer die 'fatalen Effekte' eines 'Hauptwiderspruchs-Feminismus' auf, der sich ausschließlich aus der Perspektive der Geschlechterverhältnisse mit dem Thema Islam beschäftigt. Er ist die Basis für Äußerungen, die nicht nur für rassistische und eurozentrische Positionen anschlussfähig sind, sondern z.T. sogar antiislamische Rassismen explizit transportieren. Welche emanzipatorische Antwort ist angesichts eines solchen eindimensionalen Feminismus möglich?
Kooperationsveranstaltung der LINKEN. Sachsen LAG Queer und des Frauenkultur e.V. Leipzig
Do., 10. 07. 2008
ORT: Cinematheque / naTo
19.00 Uhr
FILM
Der andere Blick
Ungarn 1982, R: Károly Makk, D: Jadwiga Jankowska-Cieslak, Grazyna Szapolowska, Gábor Reviczky, 111' OmU
Der andere Blick erzählt von den Problemen einer engagierten ungarischen Journalistin, die schonungslos politische Missstände aufdecken will. Vor den Nachwehen des Ungarn-Aufstands angesiedelt - der Film spielt 1958 - versucht Károly Makk aufzuzeigen, dass Toleranz eine unabdingbare Voraussetzung für Freiheit im gesellschaftlichen Leben ist. Und der Begriff des 'Gesellschaftlichen' beinhaltet für Makk gleichermaßen die Sphäre des Öffentlich-Politischen wie des Privaten: Eva verliebt sich in ihre heterosexuelle Kollegin Livia, die beiden beginnen eine Liebesbeziehung. Der Ehemann Livias schießt dafür seine Frau nieder, die fortan querschnittsgelähmt ist. Eva läuft bei dem Versuch, über die Grenze nach Jugoslawien zu kommen, in die Gewehrsalven der Grenzbeamten und stirbt.
In einer zentralen Szene des Films ermahnt der Chefredakteur der politischen Zeitschrift "Wahrheit" die wenig regimekonforme Eva mit den Worten: "Die hier und heute aussprechbaren Wahrheiten haben eine Grenze." Auf die Zurechtweisung fällt der jungen Frau nur eine Frage ein: Ob es denn auch eine Grenze beim Erzählen von Lügen gäbe? Stolz liegt in ihrer Stimme. Auch Tragik.
Als der Film 1983 in der Schweiz ins Kino kam, schrieb die Neue Zürcher Zeitung: "Wegen seiner Darstellung einer lesbischen Liebe hat der Film in Ungarn einen ‚succès de scandale' erlebt; zu wünschen wäre, dass er hier vielleicht auch noch aus anderen Gründen Aufmerksamkeit zu erregen vermöchte".
Kooperationsveranstaltung des Referates Gleichstellung der Stadt Leipzig und des Frauenkultur e.V. Leipzig
